Science Fiction
John Scalzi
Der Krieg der Klone
heyne Euro 7,95
"Der Krieg der alten Männer" wollten die Verlagsleute bei Heyne den exzellenten SF-Streich John Scalzis wohl nicht nennen − der schöne Originaltitel lautet Old Man's War. Doch der gewählte deutsche Name führt auf eine falsche Fährte, denn mit den Klonkriegen von Star Wars hat das nichts zu tun. − John Perry ist fünfundsiebzig, Witwer und hat mit dem Leben weitgehend abgeschlossen − die besten Voraussetzungen also, um sich fürs Militär zu melden. Junge Menschen nehmen die da nicht. Der hässliche interstellare Krieg wird von alten Greisen ausgefochten, die mit modernster Technik einen jungen Körper verpasst kriegen. Sowohl im Krieg als auch in der Liebe leisten die rüstigen alten Herren aufgrund ihrer beträchtlichen Lebenserfahrung Erstaunliches! Scalzis unterhaltsame und dennoch kritische Military-SF heimste in den USA viel Lob und Anerkennung u.a. von Spin-Autor Wilson ein. Ein äußerst erfreulicher und humorvoller Treffer. Wie wär's mit: »Der alte Mann und der Krieg«?
Science Fiction
Elizabeth Moon
Die Geschwindigkeit des Dunkels
dtv Euro 14,50
Der Titel lässt eine Space Opera oder Hard-SF-Story vermuten, aber tatsächlich handelt es sich um einen eher ungewöhnlichen, leisen Roman, der verwandt mit Klassikern wie Blumen für Algernon oder Perlen wie Die Frau des Zeitreisenden ist. Und zwar geht es darin um den Autisten Lou Arrendale, der die Möglichkeit bekommt, seine psychischen »Behinderung« heilen zu lassen. Doch das würde eine tiefgreifende Persönlichkeitsveränderung bedeuten. Und will er die wirklich? Ein sehr überraschendes, hochgelobtes Buch, das vor allem durch seine Authentizität ergreift, denn Elizabeth Moon ist selbst Mutter eines adoptierten autistischen Kindes. Bewegend und brillant. Keine Weltraumschlachten, sondern »inner space« pur.
Science Fiction
J. G. Ballard
Die Stimmen der Zeit
heyne Euro 10,95
Die Science Fiction der 40er und 50er Jahre des 20. Jahrhunderts handelte von der Eroberung des Weltraums, von der Galaxis als Wilder Westen. In den 60er Jahren wandte sich der Blick nach innen, auf den Preis, den die Menschheit für den Eintritt in das Weltraumzeitalter zu entrichten hat. Der herausragende Autor jener Zeit ist J. G. Ballard. Wie kein anderer schildert er den Wandel der westlichen Zivilisation, der letztlich zu einem neuen Verständnis des Menschen führen wird. − Die Stimmen der Zeit ist der erste Band einer zweibändigen Gesamtausgabe seiner Erzählungen, chronologisch angeordnet, die Übersetzungen alle durchgesehn und teils grundlegend überarbeitet.
Fantasy
Scott Lynch
Die Lügen des Locke Lamora
heyne Euro 12,00
In Camorr gibt es mehr Banden als faule Gerüche. Und das liegt nicht daran, dass die Kanalstadt so sauber wäre. Der Meisterdieb Locke Lamora führt die Diebesbande der Gentlemen-Ganoven an und hat sich mit seinen Coups den Ruf einer Legende erworben. Doch in Wahrheit ist er nur ein Spielball weit gefährlicherer Mächte und wird bald in die Machenschaften des Grauen Königs verwickelt, der das komplizierte Kräfteverhältnis im Stadtstaat über den Haufen werfen will. − Lynch, von Kritiker- und Kollegenlob überhäuft (u.a. George R. R. Martin und Richard Morgan), wird als die große neue Stimme in der Fantasy gefeiert. Gut, zugegeben, da wird vielleicht etwas zu doll gehypt. Aber auch nüchtern betrachtet muss man dieser flotten und faszinierenden Mischung aus Robin Hood, Ocean's 11 und Der Pate in einer phantastischen Variante des Rennaissance-Venedig zugestehen, dass sie ein verdammt unterhaltsamer Schmöker ist und keine Meterware vom Klischee-Fließband der Fantasy.
Fantasy
J. R. R. Tolkien
Die Kinder Húrins
klett cotta Euro 19,90
Nein, das ist nicht das neue Buch vom Autor des Herrn der Ringe. Der lebt nämlich nicht mehr. Das ist höchstens Geldschneiderei, könnte man bösartig unterstellen. Aber womöglich geht es vielen so wie mir: Ich mag mich nicht durch die Massen vielerorts veröffenlichter Fragmente, Geschichten und Gedichte arbeiten, um die Kostbarkeiten aus Mittelerdes bewegter Historie herauszufischen und zu einem großen Ganzen zusammenzupfriemeln. − Tolkiens Sohn Christopher hat darum verdienstvolle Vorarbeit geleistet und die verschiedenen Texte zur Geschichte Húrins und seiner Söhne vom Ende des Ersten Zeitalters (die seit ca. 1918 entstanden sind!) gesammelt. Aus diesen und etlichen bisher unveröffentlichten Skizzen seines Vaters rekonstruierte er einen Roman über den vom Schicksal geschlagenen Helden Túrin und die böse Macht Morgoth. Ein spannendes Kapitel mittelerdischer Geschichte, das man endlich am Stück lesen kann. Das braucht zwar niemand, aber darum geht's ja nicht. Wir könnten auch ohne den Herrn der Ringe leben, aber wir wollen nicht! Geldschneiderei? Bei der Akribie und Ehrfurcht, mit der Christopher Tolkien sich in die Welt seines Vaters vertieft, sollte man eher von unverbesserlicher Schwärmerei reden. Und teilen wir die nicht, wenn es um den alten Hobbit-Professor geht?
Horror
Owl Goingback
Crota
otherworld Euro 18,95
Wer weiß schon, was ein Crota ist? Sheriff Skip Harding jedenfalls weiß es nicht. Deshalb nimmt er an, dass die zwei in Stücke gerissenen Menschenleichen die Opfer eines Bären sind. Der Wildhüter und Schamane Jay Little Hawkins aber kennt die Legenden seines Volkes vom Erwachen des blutdurstigen Crotas und weiß es darum besser. Dieser rasante, mit dem Bram Stoker Award ausgezeichnete Horror-Roman mischt Splatter-Action mit indianischen Mythen aus erster Hand: Owl Goingback selbst ist ein Choctaw-Cherokee. Und so bietet das Buch die Möglichkeit, mehr über den Crota zu erfahren, als einem vielleicht lieb ist ...
Horror
Gary A. Braunbeck
Midnight Museum
eloy edictions Euro 12,--
Und noch ein Bram Stoker-Preisträger. Nicht nur Drogen, sondern vor allem das Leben selbst bringen Martin Tyler an den Rand des Suizids. Doch kurz vor dem allerletzten Schritt tauchen Kreaturen auf, die zwar nicht real, aber auch keine drogeninduzierten Hirngespinste sind. Und sie führen Tyler immer tiefer in ihre Welt, in das Midnight Museum. Dieser Ort ist voll düsterer Phantastik, zugleich wunderbar und schrecklich. Ein unheimlich dichtes, kleines Werk aus dem sehr verdienstvollen Haus Eloy Edictions.
US-Fantasy
Patrick Rothfuss
The Name of the Wind
daw Euro 27,--
In einer Gaststätte steht ein rothaariger, erfahrener Mann hinterm Tresen. Niemand würde auf die Idee kommen, dass dies der berühmte Schauspieler, Musiker, Dieb, Magier und Assassine Kvothe ist, über den man sich so viel erzählt. Dr »Chronist« jedoch kriegt das Geheimnis heraus und besucht den Wirt, um sich von ihm selbst die bewegende Geschichte seines Lebens erzählen zu lassen. The Name of the Wind ist die Autobiografie eines Fantasy-Helden, die es wie selten ein Buch schafft, den Leser durch einen bewegenden Erzählstil und poetische Sprache in den Bann zu ziehen. Die Spannung kommt dabei aber auch nicht zu kurz, und so ist dieser Debutroman, der in den USA zu einer kritischen Lorbeerknappheit führte, eine der wärmsten Empfehlungen, die man allen Tad-Williams-Fans, Fantasy-Liebhabern im Allgemeinen sowie überhaupt alt und jung und jedermann ans Herz legen kann.
US-Horror
George R. R. Martin
The Armageddon Rag
bantam Euro 16,20
Immer mal wieder sind mir in den letzten Jahren Menschen begegnet, die mit geradezu unheimlicher Begeisterung von einem Buch schwärmten, das kaum ein Mensch kannte. Es sei das Beste überhaupt, schon zehn Mal gelesen, verliehen, nicht mehr zurückgekriegt: Wenn Du's in irgendeinem Antiquariat siehst, kauf's Dir! Erst kürzlich wieder unser Otherland-Kapitän Hannes, der etwas wie »das Überbuch« stotterte, als er die Neuausgabe im Laden sah. Es handelt sich dabei um den Roman George R. R. Martins, der sich so schlecht verkaufte, dass der Autor gezwungen war, Drehbücher fürs Fernsehen zu schreiben. Dabei gilt Armageddon Rag als das beste Buch des Schöpfers von Das Lied von Eis und Feuer.
Das Interesse an einem brutalen Mord verschlägt den Journalisten Sandy Blair in die Welt des Rock'n'Roll. Dort findet sich die mehr als nur totgeglaubte Band Nazgûl zu einer Reunion zusammen und spielen ein letztes apokalyptisches Konzert. Dieser Hard-Rock-Langspielroman groovt düster, atemlos und absolut nicht Radio-Hitparaden-kompatibel. Eine Mischung aus gitarrenverzerrtem Krimi, Horror und Livekonzert, mit gehörigem Kultpotential. Darf in keinem bibliophilen Plattenschrank fehlen, weil: »Überbuch«!